Web Summit 2014 – Europäischer Unternehmergeist trifft sich in Dublin

Unser Gastautor Michaela Munitzk hat die Web Summit in Dublin besucht und hier Ihre ausführliche Sichtweise.

Unvorstellbar, wie schnell aus einer Konferenz Kommerz werden kann. Vor vier Jahren hat es gerade mal 400 Techies zur ersten Web Summit nach Dublin gezogen. Dieses Jahr hat sich die Teilnehmerzahl mit über 20.000 Besuchern zum Vorjahr verdoppelt. Somit standen mehr als 500 Redner auf den verschiedenen Bühnen (und damit mehr Redner also als die Besucher der ersten Web Summit). Da sich aus steuerlichen Vorzügen viele europäische Headquarters wie Google, Facebook und Twitter in Dublin befinden, scheint es eine logische Schlussfolgerung, eine der größten europäischen Tech Konferenzen dort zu stationieren.

Montagabend verließ der letzte Flieger gen Dublin den Flughafen Schönefeld, der uns noch rechtzeitig zu Beginn der Konferenz nach Irland brachte. Wenig überraschend, dass es da nur so von hochmotivierten Jungunternehmern aus Berlin wimmelte. Bereits im Flieger habe ich mir meinen ersten Pitch angehört. Mit Eike habe ich mich über seine App „Winemeister“ unterhalten. Als wahrhaftiger Weinliebhaber fand ich den Pitch sehr erfolgreich: Diese App wird mir zukünftig als mein persönlicher Weinberater zur Verfügung stehen. Jedoch habe ich für die kommende Woche das letzte Mal an Wein gedacht: Willkommen im Land des Guiness!

Mit ein wenig Glück hatten wir uns wenige Tage vorher eine AirBnb Unterkunft sichern können. Ein wenig durcheinander nachts um eins im Apartment angekommen, stellt sich heraus, dass unsere vorübergehende Gastgeberin bei Google arbeitet. Sie lud uns glatt für den nächsten Morgen zum Frühstück bei dem Global Player ein. Für eine kurze Unterbrechung hieß es dann ab ins Bett um ein wenig Kraft für die kommenden Tage zu sammeln.

Nach einem beeindruckenden und sehr leckeren Google-Frühstück hieß es dann mit gefühlten 1 Millionen Menschen, die genauso wie wir noch einchecken mussten, Schlange stehen. Aber die Zeit verging wie im Flug – die Organisation der Web Summit war einfach nur fantastisch und es ging richtig flott.

Im Voraus konnten wir uns kein richtiges Bild davon machen, welche Themen behandelt werden würden. Gelockt wurde mit einem Aufgebot an Stars und Sternchen. Angekündigt wurden Bono von U2, Eva Longoria und Adrian Grenier. Worüber sie reden würden, konnte man nur erahnen. Schon allein das Angebot an Bühnen und Workshops war überwältigend. Auf neun Bühnen konnte man sich täglich mehrere hundert Präsentationen anschauen. Zum Glück halfen die Namen der Bühnen: Marketing Summit, Sport Summit, Music Summit, Food Summit etc. Da so viele Branchen abgedeckt wurden, hat die Web Summit viele Unternehmer mit den unterschiedlichsten Hintergründen angezogen. Weiterhin waren die meisten Präsentationen auf 20 Minuten begrenzt. Das hatte zur Folge, dass alle Talks nur einen allgemeinen Überblick verschaffen konnten. Ein Thema hat sich jedoch wie ein roter Faden durch viele Präsentationen und Diskussionen gezogen: Frauen im Tech Bereich.

Bereits im Vorfeld haben sich die Veranstalter sehr um die Teilnahme von Frauen an der Web Summit bemüht. Es wurden Tickets im Wert von 250.000€ an Frauen verlost. Das hat sicherlich zu der beeindruckenden weiblichen Teilnehmerzahl von 40% beigetragen. Schaut man sich jedoch die Rednerliste genauer an, fällt auf, dass nur 15% davon die Chance hatten, ihr Wissen zu präsentieren.

Eine der inspirierendsten Frauen war Cathryn Posey (Gründerin Tech by Superwomen). Sie betonte, wie wichtig es ist, trotz einer steigenden Anzahl von weiblichen Führungskräften eine Vielfalt zu bewahren. Es geht nicht darum, Männer aus der Techwelt zu verdrängen, sondern ein Gleichgewicht zu schaffen und die unterschiedlichen Vorzüge der einzelnen Personengruppen zu nutzen. Immerhin gelten Frauen als Lead Adopters in der Technologie und besuchen das Internet im Vergleich zu Männern im Monat bis zu 17% mehr. Cathryn sagte auch, dass Frauen eher dazu tendieren, Anwendungen wie GPS und andere mobile Technologien zu verwenden. Außerdem bilden sie die überwiegende Mehrheit in der Anwendung von Internetgeräten. Es wäre also sicherlich nicht verwundernd, wenn die weibliche Anzahl der Führungskräfte in der Tech-Branche steigt, da sie ohnehin die Mehrheit der Zielgruppe sind und sie daher auch besser verstehen können.

Michele Peluso (Gilt) eröffnete bei der Web Summit, wie man mehr Gleichgewicht in den Führungspositionen eines Unternehmens schafft. Man sollte versuchen, Frauen zu finden, die nach einer höheren Position streben und sie fördern, damit sie ihre Ziele erreichen. Somit schaffe man sich Vorbilder innerhalb eines Unternehmens und könne dadurch eine höhere Motivation bei anderen erzielen. Michele hat auch einen Weg gefunden, Familie und Beruf zu vereinen. So sind alle daran gewöhnt, dass sie um 17 Uhr die Arbeit verlässt und bis 20 Uhr Zeit mit ihren Kindern verbringt und danach nochmal bis 23 Uhr erreichbar ist. Da diese Arbeitsweise sich etabliert hat, können andere im Unternehmen gut damit umgehen.

Mehr Frauen in die Tech-Szene zu locken fängt aber nicht erst damit an, die Denkweise Erwachsener zu ändern, sondern bereits die der Kinder. Alex Klein von Kano hat einen Computer vorgestellt, den jeder bauen kann. Das Produkt ist auf Kinder spezialisiert und soll sie in den Tech-Bereich einführen. Der jungen Generation soll beigebracht werden, dass Programmieren eine Form ist, sich auszudrücken. Bei dem Produkt wurde auch Wert darauf gelegt, dass es sowohl Mädchen als auch Jungs ansprechend finden.

Die Talks bei der Web Summit waren alle durchweg sehr ermutigend. Auch wenn es eine sehr große Konferenz mit vielen unterschiedlichen Themengebieten ist, hilft sie sehr dabei, die Szene besser kennenzulernen. Man hat die Chance, sowohl große Unternehmen als auch kleine Start-ups zu treffen. Sehr beeindruckend ist auch die Möglichkeit, viele Investoren aus dem Silicon Valley zu treffen. Peter Thiel, einer der ersten Investoren von Facebook, hat die europäische Start-up-Szene mit Silicon Valley verglichen. Laut Thiel eignet sich Europa schlecht für Jungunternehmer, da der Pessimismus und die niedrige Arbeitsbereitschaft einfach eine ungünstige Grundlage bilden. Silicon Valley wird auch noch für die weiteren Jahre das Start-up- und Technologie-Zentrum sein.

Auch wenn das auf den ersten Blick sehr demotivierend ist, glaube ich, dass Europa sich auf eine andere Art und Weise etablieren kann. Und die Web Summit zeigt deutlich, dass wir auch in der Lage sind, die Aufmerksamkeit auf uns zu richten. Nicht umsonst hat es so viele Unternehmer für fast eine Woche nach Dublin gezogen. Das nächste Jahr verspricht jetzt schon einen großen Zulauf.

 

Vielen lieben Dank an unseren Gastautor Michaela Munitzk.

Posted on January 12, 2015 in Social Media

Responses (3)

  1. Lizenz zum Geld drucken
    May 26, 2015 at 10:14 ·

    Super Beitrag… Danke

  2. Weichhart
    July 7, 2015 at 14:55 ·

    Mehr als wie 500 Redner…wie soll man denen allen noch zuhören? :-D

  3. Peer
    November 15, 2015 at 19:22 ·

    Hammer würde ich auch gerne mal hin :)
    Liebe deinen Blog auch wenn du seit 3 Jahren nicht mehr viel postest ;)

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