Interview mit Ed Freyfogle – Immobiliensuchmaschine Nestoria

Nestoria

Die Immobiliensuchmaschine Nestoria ist seit August 2008 auf dem deutschen Markt. Zeit, um mit dem CEO Ed Freyfoogle ein Interview zu führen.

Ed, du bist einer der Gründer von Lokku Ltd, die Nestoria in UK und auch in Deutschland betreiben. Kannst du ein wenig über eure Entstehung und Entwicklung erzählen?

Lokku gibt es mittlerweile seit dreieinhalb Jahren, wobei mir nicht ganz klar ist wo die Zeit hingegangen ist. Ich und Javier Etxebeste, der andere Gründer, haben zu Web 1.0 Zeiten lange bei Yahoo! Europa (ich war in München bei yahoo.de) an der Suche gearbeitet. Das war die Zeit als Suche und PPC Werbung anfing wirklich wichtig zu werden. Wir haben vieles gelernt. Nachdem ich dann zwei Jahre in Boston war um einen MBA zu machen, kam ich Ende 2005 nach London mit der Idee eine Start-up zu Gründen. Wir haben den Markt erforscht und sahen Möglichkeiten bei der vertikalen Suche (Suche durch einen bestimmten Themenbereich), vor allem in Kleinanzeigen. Nestoria ist unsere Marke in Immobilien, und wir sind mit nestoria.co.uk vor genau drei Jahren im Juni 2006 online gegangen.

Womit wir von Anfang an viel Erfolg hatten war bei der Suche nach guten Mitarbeitern. Wir haben eine sehr fähige Mannschaft, die aus Internet-Experten besteht.

Wir haben keine Ahnung von Immobilien. Stattdessen wissen wir, dass wir von den Nutzern (deren Feedback und Verhalten auf Nestoria) und unseren Partnern lernen und ständig besser werden müssen.

Kannst du bitte den Lesern erklären, was genau Nestoria ist und wie “Aggregatoren” funktionieren?

Nestoria ist eine vertikale Suchmaschine. Wir arbeiten mit Immobilienportalen zusammen und stellen die Daten gebündelt auf unserer Webseite zur Verfügung – wir aggregieren den Inhalt und bereiten ihn nutzerfreundlich auf. Unser Hauptziel ist es, die Suche nach Immobilien so einfach wie möglich zu gestalten. Dafür arbeiten wir ständig daran, unsere Anwendung zu verbessern. Wir bieten verschiedene Möglichkeiten die Suche einzugrenzen und zu konkretisieren. Eines unserer besonderen Features ist die Kartendarstellung der Suchergebnisse.

Gibt es Unterschiede im Suchverhalten zwischen Usern eurer Seite in UK und in Deutschland?

Ja, einige. In England, vor allem London, suchen viele Leute nach Postleitzahlen. Man möchte gerne in “SW3” leben, zum Beispiel. Auch bei den Suchkriterien gibt es Unterschiede. In Deutschland will man als erstes wissen, wie viele Quadratmeter die neue Wohnung hat. In England weiß kein Mensch wie groß die Wohnung ist, stattdessen redet man von der Anzahl der Schlafzimmer – “I need a two bed flat”. Interessant ist auch, wie die Preise angezeigt werden. In London heißt es immer soundso viel Pfund pro Woche (obwohl pro Monat bezahlt wird). Das Beste ist: Keiner weiß warum das so ist, es ist einfach so!

Eine Sache bleibt aber in jedem Land gleich – der Nutzer will schnell und auf einfachste Art und Weise relevante Ergebnisse gezeigt bekommen. Daran arbeiten wir jeden Tag.

Was ist das Besondere an eurer Suche? Was ist in Deutschland euer USP?

Wir versuchen genau eine Sache gut zu machen – Immobiliensuche – und mehr nicht. Wir bieten eine hoffentlich schnelle und übersichtliche Suche an. Mehr nicht. Nestoria hat keine Bannerwerbung, keine Registrierung, keine Ablenkungen eben. Wir kooperieren mit den großen Immobilen-Portalen und stellen die Objektdaten praktisch an einem Ort zur Verfügung. Ergebnisse werden nach Relevanz angezeigt, es gibt keine Möglichkeit sich bei Nestoria nach oben zu kaufen. Ein zusätzliches Feature sind die Informationen zur Umgebung.

Dabei muss ich betonen, dass wir in Deutschland noch vieles von den Nutzern lernen müssen. Wir erreichen jetzt langsam die kritische Masse an Nutzern um von den täglich generierten Suchdaten vieles zu lernen. Wir sind über jedes Feedback sehr dankbar.

Ihr baut selbst viele Tools und Widgets in eurem „Lab“. Welche kommen am Besten bei den Usern an?

Wir sind eine sehr experimentierfreudige Truppe. Bei Lokku Labs findet man unsere Spaßprojekte. Diese Woche gehen wir mit Wo Soll Ich Hinziehen? live. Dieser Dienst soll vor allem einen Zweck erfüllen: Den Arbeitsweg verkürzen indem gezielt nach Immobilien gesucht werden kann, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln optimal an den Arbeitsplatz angebunden sind. Hierzu kann man eingeben wie lange der Arbeitsweg maximal dauern soll und bekommt eine Liste mit Stationen, die den Kriterien entsprechen. Außerdem werden natürlich Immobilien in der Nähe dieser Stationen angezeigt. Wir hoffen, dass dieses Projekt bei den Nutzern gut ankommt und Ihnen einen Mehrwert bieten kann. Für uns ist es eine Möglichkeit neue Ideen auszuprobieren und unsere API kreativ zu nutzen.

Klar, nicht jede Idee ist ausgereift. Manche Ideen schaffen den Sprung aus den Labs heraus und werden dann in Nestoria integriert. Manche nicht. Manchmal geht es eher darum eine neue Technologie auszuprobieren. Um lernen zu können muss man auch bereit sein Fehler zu machen.

Ihr seid letztes Jahr auch in Italien gestartet – wie entwickelt sich Nestoria dort?

Ja, wir sind mittlerweile in vier Ländern: Deutschland, Italien, UK und Spanien. Es ist interessant nicht nur zu sehen wie unterschiedlich die Nutzer sich verhalten, sondern auch, wie die Marktstrukturen von Land zu Land sich unterscheiden. Vor allem im Krisenjahr 2009 entwickeln sich die Märkte in unterschiedliche Richtungen. Während in Spanien und England die Immobilienbranche zusammenbricht, ist die Situation in Deutschland einigermaßen stabil.

In Italien haben wir neulich einige neue Partnerschaften mit großen Immobilien-Portalen bekannt machen können und das Produkt ist auf dem richtigen Weg. Der Markt im allgemeinen wird aber schwierig bleiben. Wer sich weiter für das Thema Nestoria Italia interessiert (vielleicht die Süd-Tiroler unter den BrandKraft Lesern) sollte unseren italienischen Blog in seinen Feedreader aufnehmen.

Was sind für dich die interessantesten Entwicklungen im Internet momentan (inhaltlich und technologisch)?

Hier in London ist derzeit jeder von Twitter begeistert (Nestoria kann man unter @nestoria verfolgen, mich findet man unter @freyfogle). Mich aber interessiert viel mehr wie diese Technologien angewendet werden um Sachen zu ermöglichen, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar waren. Als Beispiel kann ich CarrotMob nennen. Mich begeistert wie Leute die Möglichkeiten der neuen Technoligen wie Video, Twitter, u.s.w. für sich entdecken und verwenden um sich zu organisieren.

Ihr seit gerade jetzt umgezogen, warum?

Die Lokku-Mannschaft ist noch klein – 10 Mitarbeiter, und im Sommer kommen ein paar Studenten dazu. Unser altes Büro ist uns aber dann doch ein bisschen klein geworden und war sowieso, ehrlich gesagt, ein absolutes Loch. Es war Zeit was Neues zu suchen. (Die Ironie, dass eine Immobilien-Suchmaschine sich eine neue Immobilie suchen mußte, ist uns nicht entgangen).

Wir sind jetzt seit sechs Wochen in Clerkenwell, Fotos von der Einweihungsfeier sieht man auf unseren Blog. Eine nette Nebenwirkung der Wirtschaftskrise ist, dass die Mietpreise gesunken sind. Wir bezahlen jetzt das Gleiche wie vorher, haben aber dafür doppelt soviel Platz.

Sucht ihr noch einen Praktikanten aus Deutschland für euer Office in London? Wenn ja, was sollte er in einem Startup wie eurem als Vorraussetzung mitbringen?

Nicht er sondern SIE haben wir schon gefunden! Seit einigen Wochen ist Nomsa bei uns und leitet viele unserer deutsche Projekte. Das vorteilhafte an London ist, dass wir fähige Leute aus der ganzen Welt leicht finden können. Dennoch, gute Mitarbeiter suchen wir immer, vor allem Entwickler. Wer das Internet liebt und Spaß an Open-Source Software hat soll sich bitte melden. Eine detaillierte Stellenbeschreibung findet man hier.

Posted on June 19, 2009 in Business, Startups, Web 2.0

Response (1)

  1. etchellsfleet13.com
    July 11, 2014 at 07:13 ·

    etchellsfleet13.com

    Interview mit Ed Freyfogle – Immobiliensuchmaschine Nestoria ∴ Business, Startups, Web 2.0

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Back to Top