10 Fragen an … Sebastian Rothbucher von clarities

Sebastian, Ihr seid mit clarities noch recht frisch am Markt. Erzähl den Lesern doch kurz, wer Ihr seid und was Ihr macht.

clarities-logo-kleinWir sind ein Hamburger Startup, das individuelle Software herstellt. Oliver und ich sind Senior-Softwareentwickler und haben uns in einem gemeinsamen Projekt kennen gelernt und festgestellt: wie heute Software entwickelt wird geht einfach gar nicht: viel zu viel technische Details werden immer wieder neu erfunden; das eigentliche Ziel – dem Kunden die Arbeit zu erleichtern – erreichen die Projekte oft nicht wirklich. Unsere Idee ist, genau das zu ändern: mehr über die Ziele reden, weniger Technik schrauben. Dafür bringen wir unser Werkzeug mit, das die technische Basis, Methoden – und vor allem best practices enthält.

Du sprichst von „best practices“. Kannst du ein Beispiel geben, wer/was für euch ein best practice ist?

Beispiele dafür sind u.a. iteratives Vorgehen, Prototyping, Modellierung, Generierung und auch viele technische Detaillösungen, Patterns etc.. Wenn man den aktuellen Studien von z.B. der Standishgroup (Anm. Red.: Link zur Studie: http://www1.standishgroup.com/newsroom/chaos_2009.php) folgt, wird der subjektive Eindruck aus unserer früheren Arbeit bestätigt, nämlich dass unglaublich viele Softwareprojekte scheitern. Software kostet fast immer mehr als geplant, wird immer später fertig und erreicht oft nicht mal das gesteckte Ziel. Dafür gibt es viele Gründe, die sich aus der großen Komplexität der Disziplin Softwareentwicklung ergeben. Für so ziemlich alle dieser Probleme gibt es aber auch Lösungen, die reichhaltig diskutiert werden und oft auch zu Buzzwords werden (aktuell: „Agile Softwareentwicklung“). Fakt ist aber, dass diese Erkenntnisse selten alle praktisch eingesetzt werden, sondern eher sporadisch und in Abhängigkeit der Weitsicht einzelner guter Programmierer. Die sind selten!
Unser Ansatz ist es, all diese Methoden und best practices systematisch, d.h. automatisiert, zwingend und immer anzuwenden und das nicht den Programmierern zu überlassen.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? In welchen Prozessen bei der Softwareentwicklung ist clarities vertreten?

Wir machen klassisches Projektgeschäft für individuelle Business Software. Unser Schwerpunkt ist die Erstellung guter Anforderungen. Das heißt auch, wir können sehr gut nur den Anforderungs-Teil abdecken und jemand anderes programmiert konventionell. Idealerweise werden wir aber aus den Anforderungen sehr schnell Software generieren. Programmiert wird nur „custom code“, also dann, wenn unser Generator nicht alle Anforderungen abdeckt. Ein zentraler Punkt ist außerdem, dass unser Werkzeug den gesamten Softwareprozess abdeckt: von den Anforderungen bis zum Deployment inklusive Projektmangement und Architektur.

Ich sehe viele kleine Softwarehersteller am Markt – was genau ist euer USP?

Dass wir viel schneller als üblich eine für den Kunden optimale Software erstellen. Das bedeutet auch geringere Kosten und ein drastisch verringertes Risiko. Wir können nach einer Woche schon eine erste Version der Lösung präsentieren, so dass der GAU für den Kunden nach nur eine Woche und nicht wie sonst nach mindestens mehreren Monate eintritt. Wir berücksichtigen auch agile Ansätze und gestalten das Projekt durch viele, kleine Iterationen, so dass der Kunde immer die Kontrolle über das Projekt behält. Durch unseren Ansatz können wir außerdem eine deutlich höhere Investionssicherheit bieten als konventionell arbeitende Dienstleister.

Habt Ihr schon große Kunden, für die Ihr euren Mix aus Technologie und Beratung anwenden könnt?

Wir sind erst seit Mai diesen Jahres am Start und sind gerade dabei, erste Kunden zu gewinnen. Unser Ansatz kommt durchweg gut an und wir sind sicher, in den nächsten Monaten die ersten Referenzen aufweisen zu können. Wir fokussieren uns zunächst auf mittelständische Unternehmen, mit ca. 20 bis 200 Mitarbeitern. Allerdings gibt es auch schon Interessenten mit einigen Tausend. Konzerngeschäft können wir im Moment noch nicht stemmen. Das gehen wir an, wenn wir uns etabliert haben und eine entsprechende Mannschaft anbieten können.
Daneben gibt es aber auch prototypische Projekte, die wir mit Partnern als Invest in vielversprechende Nischen durchführen.

Über welche Kanäle betreibt Ihr Marketing?

Wir haben jetzt sehr klassisch begonnen – über ein Mailing (Papier!) und nachtelefonieren; mit einer sehr guten Resonanz (sprich hohem Rücklauf). Es hat sich gezeigt, dass vor allem am Telefon das richtige Team vieles reißen kann. Das erste Feedback war für uns auch wichtig, um jetzt die richtigen Stichworte zu finden und uns online finden zu lassen. Obwohl unsere Website erst seit ein paar Monaten online ist, bereiten wir schon den ersten Relaunch vor.

Ich sehe Scrum immer öfter in der Entwicklung von anspruchsvollen Softwareprojekten. Deine Meinung dazu?

Richtige und gute Idee, greift aber zu kurz: Scrum gilt ja als DIE Umsetzung agiler Softwareentwicklung – einem wichtigen Paradigma, das wir in unserem Ansatz ebenfalls integrieren. Allerdings legen wir viel mehr Wert auf Automatisierung und Industrialisierung, womit wir so ziemlich 180Grad gegen den Trend stehen. Scrum legt großen Wert auf Softskills, das Team und Kommunikation. Wir denken, dass die wahren Probleme ganz andere sind und sich nicht durch Empathie allein lösen lassen. Aus unserer Sicht scheitern viele Projekte an der Komplexität und vor allem der Tatsache, dass in jedem Projekt eine neue technische Lösung entwickelt und somit das Rad wieder neu erfunden wird. Zu viele Freiheitsgrade für die Programmierer führen in nicht wenige Fällen zu unplanbarem Chaos und unsäglicher Qualität; oft werden alle guten Vorsätze, sprich: Methoden und best practices über den Haufen geworfen, um nur schnell eine überhaupt lauffähige Software fertig zu hacken. Nach industriellem Vorbild bringen wir u.a. eine (perspektivisch beliebige,) lauffähige Technologie mit ins Projekt – for free. Wenn man schnell Produkte guter Qualität bauen will, braucht man eine hoch automatisierte Produktionslinie. Unser Werkzeug ist genau das.

Könnt Ihr schon in der Entwicklung euer Software darauf achten, dass bestimmte SEO-relevante Bestandteile beachtet werden?

Im Normalfall bauen wir Web Applications, also ist das für uns ein Thema. Allerdings sind die Mehrheit der Projekte auf unternehmensinternen Einsatz ausgerichtet – die öffentlichen Suchmaschinen spielen in Intranets keine Rolle. Wir orientieren uns aber selbstverständlich am State-Of-The-Art für Web-GUIs und daher sind Themen wie Usability und SEO ganz klar Teil unserer Denke und Expertise.

Mac or PC?

PC (Sony um genau zu sein). Ich habe einmal zu oft Apfel-Q gedrückt in der irrigen Meinung, damit ein @ zu haben. Mein Partner Oliver ist ein Mac-User, so dass wir den Vorteil haben, beide Welten zu kennen und für uns jeweils das Beste rauszuziehen.

Abschließend – Deine momentanen Lieblingswebsites? Warum?clarities-sebastian-rothbucher

http://reader.google.com (eine klasse Idee – unterhaltsam und machmal sogar informativ), http://docs.google.com (sehr praktisch und viel besser als alle anderen Offices die ich kenne), unser Projektportfolio (Webapp mit unserem Werkzeug für usn gebaut – steht im Netz und ist mein zweites Gedächtnis), FTD mobile (Blackberry-Lesevergnügen), last but not least: http://www.clarities.de/outtakes.htm

Posted on August 6, 2010 in Business, Headline, Startups

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